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Splitboarden mit Ueli Kestenholz

Text: Lukas Scheid

Schritt für Schritt geht es den Hang hinauf. Den anschließenden Ride durch den Tiefschnee muss man sich erst erarbeiten, so ist das beim Tourengehen. Doch auch beim Splitboarden ist der Aufstieg ebenso Teil des Naturerlebnisses wie die Abfahrt. Mit Profi-Snowboarder Ueli Kestenholz waren wir im Lötschental beim Splitboard-Camp.

Splitboard Umbau David c Lukas Scheid

Beim Umbau vom Ride- in den Climb-Modus

„Ein perfekter Outdoor-Tag“, befindet Kestenholz schon bei der Gondel-Auffahrt auf die Lauchernalp im oberwalliser Lötschental. Es ist neblig, die Sicht mäßig und die Temperaturen niedrig. „So spürt man die Natur umso mehr“, versucht er die Teilnehmer seines Splitboardcamps zu ermutigen, während der Großteil der Gruppe noch dabei ist die technischen Besonderheiten eines Splitboards zu verinnerlichen. Denn das Board ist deutlich schwerer, was man im Powder zwar nicht merkt, aber auf der Piste im ersten Moment gewöhnungsbedürftig ist. Schließlich ist das Bindungssystem aus Stahl, was die Stabilität der beiden Boardhälften garantiert, aber eben auch ein paar Extrakilos bedeutet. Ansonsten verhält sich das Splitboard bei der Abfahrt wie ein herkömmliches Snowboard – die Kanten greifen wie gewohnt, Flex und Torsion sind ebenfalls wie man es von einem guten Powderboard kennt.

Splitboarden im Lötschental: Ueli Kestenholz zeigt, wie es geht

Spezielle Splitboard-Boots gibt es zwar, sind aber nicht zwingend notwendig. Die eigenen Snowboard-Boots reichen in den meisten Fällen vollkommen aus. Je fester sie sind, desto besser, da aktiver Kantendruck beim Aufstieg enorm von Vorteil ist. Auch Hardboots können auf Splitboards verwendet werden.

Zum Warmfahren bringt Kestenholz die Splitboard-Novizen zunächst in den Tiefschnee am Pistenrand und sofort zeigt sich die Verspieltheit des Splitboards: Hervorragender Auftrieb und schnelle Wendefähigkeit bei höchster Stabilität – alles wie gewohnt.

Splitboard Panorama Lötschental c Lukas Scheid

Der Blick auf die Berner Alpen und ins Lötschental

Die erste Tour geht zum kleinen Hockenhorn. Um das Splitboard vom Ride- in den Climb-Modus umzubauen, muss die Bindungen zunächst abmontiert werden. Das geht bei den Karakoram-Bindungen durch einen einfachen Klapp-Mechanismus an der Ferse. Anschließend teilt sich das Board in zwei Skihälften, an deren Unterseite die Felle aus einem Mohairwolle-Nylon-Gemisch gespannt und geklebt werden. Danach kann die Bindung im Climb-Modus wieder aufgesetzt werden, indem man den vorderen Teil der Bindung in einen dafür vorgesehenen Haltemechanismus steckt. Nun ist die Bindung horizontal fest, jedoch vertikal beweglich, was für das Tourengehen wichtig ist. Für steile Aufstiege kann eine zusätzliche zweistufige Steighilfe ausgeklappt werden. Und sollte man doch mal auf Ski bergab fahren müssen, kann die Bindung auch an der Ferse am Ski befestigt werden.

Worauf kommt es an beim Splitboarding?

Splitboard Pause Lötschental c Lukas Scheid

Pause am „schönsten Ort der Schweiz“

Jetzt fehlen nur noch die leicht verstaubaren Teleskop-Skistöcke und es kann losgehen. Entlang des Bergkamms zwischen den beiden Schweizer Kantonen Wallis und Bern gewinnt die Gruppe mehr und mehr an Höhe. Besonders beim Traversieren bemerkt man den einzigen wirklichen Nachteil des Splitboards gegenüber echten Tourenski. Die breiten Boardhälften und weichen Schuhe gehen zu Lasten der Stabilität beim Aufstieg. Höhere Konzentration und Trittsicherheit ist gefragt. Doch wer diese erste kleine Herausforderung schafft, wird mit dem beeindruckenden Panorama der Berner Alpen belohnt. Die Sonne zeigt sich und es wird wärmer – echter Luxus beim Umbau zurück in den Ride-Modus. Denn man kann die Handschuhe auslassen, was bei klirrender Kälte nicht geht und den Umbau erschwert. Dafür zieht man die Fälle wieder ab, verstaut sie zusammen mit den Skistöcken im Freeriderucksack, steckt die Boardhälften wieder zusammen und setzt die Bindung wieder darauf. Kleine Clips an Nose und Tail des Bretts unterstützen den Zusammenhalt des Boards.

Richtung Sattlegi geht’s durch feinsten Lötschentaler Powder zum „schönsten Ort der Schweiz“, wie Ueli Kestenholz immer wieder beteuert. Auf dem kleinen Hügel findet sich das neunköpfige Team bei herrlicher Aussicht zum Mittagsvesper zusammen. Nur wenige Meter den Hang hinauf löst eine Gruppe Skifahrer eine kleinere Schneebretter aus. Vorsicht ist höchstes Gebot, besonders bei der aktuellen Lawinenwarnstufe 3 – erhebliche Lawinengefahr.

Splitboard Abfahrt Lötschental c Ueli KestenholzLawinenkunde, Verschütteten-Suche und Tourenvorbereitung ist ein wesentlicher Bestandteil des zweitägigen Splitboardcamps mit Ueli Kestenholz. Sicherheit hat beim Freeriden oberste Priorität. Das hält keinen der Teilnehmer davon ab, beim nächsten Run in die Vollen zu gehen, jedoch immer mit den Safety-Know-How im Hinterkopf. Der unberührte Hang wird nun nach und nach von schmalen Linien geziert, die sich elegant Richtung Tal schlängeln. Powdern at its best!

Powdern at its best beim Splitboarden im Lötschental

Splitboard Aufstieg Lötschental c Tom Meier

Aufstieg zum Namenlosen

Ohne viel Zeit zu verlieren, wird wieder umgebaut für eine zweite Tour hinauf zum Namenlosen – ja, der Berg heißt wirklich so! Es ist steil und die engen Spitzkehren auf den breiten „Skiern“ sind gewöhnungsbedürftig, doch es geht voran. Der Aufstieg ist anstrengender als erwartet, sodass Jacken und Sweatshirts schnell im Rucksack landen. Der Nebel hat sich inzwischen verzogen und die Sonne scheint am strahlend blauen Himmel. Oben angekommen begrüßt das berühmte Bietschhorn, der markanteste Gipfel in der Umgebung, in der Nachmittagssonne die Gruppe. Eine kurze Erfrischung, ein kleiner Energie-Snack und schon sind Kestenholz und Co. wieder auf dem Weg den Spali hinab Richtung Fischbiel – eine schöne Strecke, nicht zu anspruchsvoll, nicht zu karg und mit atemberaubender Aussicht aufs Lötschental.